Willkommen !

Liebe Radler und Radsportfreunde!

Mit unseren Abteilungen bieten wir für alle Interessierten

Radtouren im Schleswiger Umland und Schleswig-Holstein an.

Gern stehen alle Abteilungsleiter und der Vorstand für Fragen zur Verfügung.

Alfred Ebeling (Vorsitzender)

 

Auf Straßen, die immer einwandfrei in Schuss sind. Von Doris Zimmer

Bild1   Bild2

Mit meiner Radfreundin Uli aus Freiburg radelte ich in der ersten Augusthälfte 2021 den italienischen Abschnitt der Euroveloroute 5 - die sich gesamt über 3200 km ab Canterbury in England bis Süditalien erstreckt - von Milano nach Rom. Sie verläuft dort auf dem alten Pilgerweg Via Francigena durch verschiedene Provinzen und Landschaften in Norditalien. Wir fuhren kurzfristig entschlossen und mit leichtem Zeltgepäck, es waren Übernachtungen auf Campingplätzen oder in Unterkünften vorgesehen. Am 3.August war Start bei angenehmen mittleren Temperaturen. 

Bild3                                    Bild4

Der Anfang der Tour war geprägt durch die ebenen Strecken in der Lombardei entlang von Kanälen, übergehend in die landwirtschaftlich genutzte Poebene, über die man von den hohen Deichen aus einen weiten Blick hatte. Der träge dahinströmende breite Fluss war zumeist von hohen Waldsäumen eingefasst, die vielen Pappelplantagen fielen auf. Von den Tomatenfeldern auf der roten Erde musste man einfach naschen, diesen Geschmack haben wir im Norden schon lange verloren. Unsere Vorbereitung war der Kürze der Zeit geschuldet mangelhaft und so legten wir uns in Fidenza Ersatzschläuche zu, nachdem ich morgens vor einem Hotel schon hatte flicken müssen. Eine Attraktion für die italienische Besitzerin und mehrere Hotelgäste, die den gesamten Vorgang bis zum Ende fasziniert mitverfolgten. Leider entwickelte sich gleich am Anfang auch Spiel im Tretlager und sollte das Fahren in den folgenden Tagen anstrengender machen. 

Bild7

Bild8

Bei der Überquerung des apenninischen Gebirges auf dem Weg an die italienische Riviera stauten sich die Wolkenfronten an den Berggipfeln und der Starkregen lief schließlich nur noch in Strömen durch die Kleidung und die steile Straße hinunter. Als noch Gewitter dazukam, fuhren wir schon fast ungerührt weiter und arbeiteten uns durch den Anstieg. Uli rettete sich zwischendurch ins Trockene, indem sie kurzentschlossen einfach in eine Werkstatt am Weg eindrang. Wir passierten idyllisch gelegene Bergdörfer, darunter Pontremoli mit der alten Festung und der Sammlung aus menschlichen Stelen, die in der Umgebung gefundenen wurden. Daneben aber auch unzählige verfallene Häuser, Zeugen des harten Lebens auf den steilen Berghängen. Nach mehreren Passquerungen fuhren wir auf der sonnigen südlichen Seite an die Küste bei La Spezia ab und erreichten über schwer zu fahrende Sandpisten im Schilfsaum des Magra-Flussdeltas das Meer. Ein grandioser Anblick und das unendliche Glücksgefühl des Unterwegsseins überwältigten uns! 

Bild9 

Bild10

Bild11

Der touristischen Küste folgten wir dann aber nur kurz und bogen über kleine Dörfer wieder an die apenninischen Gebirgsausläufer der Provinz Emilia Romagna ab. Olivenhaine, Zypressen und Pinien prägten das Landschaftsbild sowie steile Anstiege und Abfahrten, mal mit Serpentinen, allzu oft aber auch einfach gerade und steil bergan. Wehrhafte Stadtmauern prägten die oft hoch gelegenen Orte wie in San Gimignano aus dem 12. Jahrhundert, gegen die früheren Angriffe der Römer gerichtet. Immer häufiger verliefen jetzt die Radstrecken von den Wanderstrecken des Pilgerweges getrennt. Als wir eine Abkürzung fahren wollten, gerieten wir auf die Fusswegstrecke und mussten mit den Rädern eine ausgedehnte und tiefgelegene Talniederung aus Grobschotter und fast völlig zugewachsenen schmalen Pfaden mit Stachelgebüschen durchqueren, zudem so gut wie unbesiedelt. Auf der anderen Talseite schoben wir die Räder die wilden und staubigen Schotterpfade schwitzend wieder hoch. Für einen 55 km-Abschnitt brauchten wir an dem Tag 5 Stunden. Nur der unerwartete Fund von Stachelschweinborsten in der völlig abgelegenen Gegend versöhnte mich mit dem anstrengenden Abstecher und ist heute meine schönste Erinnerung an Italien.

Bild12

Bild13

In unregelmäßigen Abständen waren entlang des Pilgerweges öffentliche Wasserstellen verfügbar und hier trafen wir auf andere Wanderer und Radler und tauschten uns aus. Auch wurde das Wetter zunehmend heißer und wir hörten von den ersten Waldbränden. Ein Teil unserer Strecke war Bestandteil der Eroica Montalcino, wir trafen einen Radler auf der langen Runde, der sichtlich mitgenommen von einigen der steilen Anstiege auf Schotterstrecken erzählte. Als in einem Hotel offenbar sämtliche Wasserrohre ungedämmt hinter unserer Zimmerwand verliefen und ich nicht einschlafen konnte, packte ich den Schlafsack aus und übernachtete kurzerhand bei meinem Fahrrad  im Keller. Hier war es wunderbar ruhig und die entgeisterten Blicke der Hotelangestellten am nächsten Tag unbezahlbar. Wir trafen einen jungen Pilger zu Fuß, der im August vergleichsweise spät in Rom gestartet war, aber sich gut gelaunt für dieses Jahr die gesamte Strecke, bis Canterbury vorgenommen hatte. Wir drücken die Daumen! 

Bild14

Bild15

Das bekannte Siena erwies sich als sehr touristisch überlaufen, aber auf den folgenden Strecken erlebten wir die  Toscana von ihrer schönsten Seite und waren überwältigt von den Farben und dem Licht in dieser Landschaft, die Fotos muteten wie Gemälde an. Buon viaggio! Der Ausruf galt oft uns, aber ebenso oft riefen wir ihn mittlerweile anderen Mitreisenden zu und winkten. Einige von ihnen hatten wir nun schon mehrfach getroffen und tauschten dann die Erlebnisse des Tages aus. Einen Abend fragten wir an einem christlichen Pilgerheim und durften mit im Garten zelten. In San

Quirico trennten wir uns für zweieinhalb Tage und ich fuhr nach einem Tipp einen Abstecher in die

Berge um Cana, mit der besten Pizzeria dieser Reise. Zufälligerweise gastierte dort an diesem

Abend eine Rockgruppe auch mit vielen italienischen tanzbaren Songs, und so wurde es in der

Nacht spät. Dafür hatte ich am nächsten Tag eine lange Abfahrt aus den Bergen vor mir, zum ersten Mal wurden die Finger vom Bremsen taub. Ich traf am Nachmittag zwei Radler aus Berlin und wir fuhren auf besonders kalkstaubigen und gleissend weiß leuchtenden Feldwegen in glühender Hitze zusammen weiter. Halt machten wir ab und zu unter dem geringen Schatten von nur zwei bis drei Meter hohen Gebüschen. Als uns dann in einem kleinen Ort Straßenarbeiter auf einen öffentlich zugänglichen Wasserschlauch hinwiesen, waren wir innerhalb von Sekunden alle lachend von oben bis unten durchnässt. Später erreichten wir den See Bolsena und auch hier gab es nur noch eins: Wasser! Abkühlen! Weil die beiden vorhatten, lange auszuschlafen, übernachtete ich an diesem Abend alleine wild auf einer verdorrten Wiese und erlebte morgens, wie ein Hängebauchschwein gemächlich an mir vorbeischlenderte. Mittendrin in einer großartigen Abenteuerreise...! 

Bild16

Bild17

Bild18

Bild19

Bild20

Bild21

Ich fuhr in den frühen Morgenstunden weiter, um der mittlerweile unerträglichen Mittagshitze auszuweichen, und passierte alte Felsengräber sowie einen traditionellen, zwischen steilen Felswänden schmal eingeschnittenen Abschnitt des Pilgerweges bei Viterbo. Später geriet ich versehentlich ein Stück auf eine Autostraße. Dies schien zwar niemanden zu stören, aber ich bog trotzdem bald auf einen Feldweg ab und erreichte so einen Campingplatz am See Bracciano. Uli traf

am späten Nachmittag ebenfalls dort ein und war durch die glühende Hitze gezeichnet, die Temperaturen lagen jetzt bei gut über 35 Grad. Schwimmen!

Bild22

Am nächsten Morgen fuhren wir am Südende des Sees in Richtung Rom ab, der Verkehr auf den

Straßen wurde zunehmend dichter. Wir erreichten die Vorstädte, bogen am Tiber wieder auf die

Pilgerroute ein und folgten der begrünten Strecke bis in die Innenstadt. Der erste Halt war an der Piazza del Populo und ich konnte nicht anders, als um den weiten gepflasterten Platz einige Runden mit dem Rad zu drehen, Rom! Die erstaunlichste Stadt des Universums! Ein riesiges Glücksgefühl durchströmte uns wieder einmal. Wir ließen uns Zeit und alles auf uns wirken, Parco de Borghese,

Colosseum, Trevi Brunnen, Forum Romanum, die alte Geschichte an vielen Stellen mitten in der Stadt, darunter auch die Reste einer Insula, eines mehrstöckigen Wohnhauses, um die stark anwachsende Bevölkerung damals unterzubringen, und natürlich die unendlich vielen Menschen, Einheimische und Besucher. Vor allem Jüngere fuhren flott und geschickt mit den überall vorhandenen Leihrollern durch die Straßen. Eine Bürgergarde verteilte kostenlos Wasserflaschen, um Kreislaufzusammenbrüche bei den Menschen zu verhindern, die Temperaturen näherten sich heute fast der 40 Grad-Marke. Das Problem überquellender Müllbehälter und der an vielen Ecken und in Nischen abgelagerte Unrat. Einmal ertappte ich mich, mein Eistütenpapier einfach wie die Italiener über die Schulter zu schmeißen, wohin auch damit? Im letzten Augenblick hielt ich in der Bewegung inne und musste über mich selbst lachen, Verhalten steckt an? Am nächsten Morgen hatten wir unser gemeinsames Abschlussfrühstück, mit den italienischen Croissants und Espresso...

Bild23 Bild24

Bild25 Bild26

Bild27

Bild28

Bild29

Bild30

Ich blieb insgesamt drei Tage in dieser faszinierenden Stadt und erlebte den Petersplatz und die vielen Sehenswürdigkeiten in verzaubernder Stimmung nachts. An den römischen Straßenverkehr gewöhnte ich mich schnell, auf dem Rad wurden von den ortskundigen FahrerInnen Ampeln komplett ignoriert und man fuhr jeweils in den nächsten Abzweiger vor, um sich dann selbst abzusichern. Dies schien von allen akzeptiert und galt offenbar ebenso für Roller, Motorräder und Taxis. Über den Zustrom von Flüchtlingen und die entlang des Tibers aufgebauten Zelte und Notbehelfe herrschte unter den Einheimischen eine große Sprachlosigkeit, niemand wollte darauf eingehen. Und schließlich erlebte ich den endgültigen Temperaturrekord von zuletzt tatsächlich 40 Grad in Rom!

Bild31

Bild32

Bild33

Bild34

Zum Schluss vielen Dank wieder einmal für eine wunderbare Radtour, die überwältigende Natur, Kultur, viel Pizza, tolle Rotweine, das leckere Pistazieneis, vielfältige Erlebnisse, lange und schwer fahrbare Schotterpisten und steile Anstiege inbegriffen, manchmal seltsame Schweine in der Wildnis, herzlichen Dank für die private Übernachtung in Cana und ganz besonders auch an Uli für den Spaß am Radeln und den Humor! Gesamt mit Seitenabstecher von der Pilgerroute kamen so in Italien für mich etwa 1040 km Strecke zusammen, bei gerundet 9600 Höhenmetern. 

Aus allen Winkeln der bekannten Welt führen moderne, sichere Straßen wie schon seit langer, langer Zeit immer geradewegs nach Rom, der erstaunlichsten Stadt des Universums....... Ave und mille grazie! 

Bild35

Bild36

 

Ostseerundfahrt 2019

Doris Zimmer

Bild1

Ostseerundfahrt 2019

Doris Zimmer

© Doris Zimmer

Krokholm 13

24860 Böklund

Freiberufliche Biologin

Vegetationskunde/Flechten

Ostseerundfahrt Rad 2019 Kurzbericht

Die Idee

Entstand vor zwei Jahren auf einer Fahrt nach Skagen an die Nordspitze Dänemarks auf einem

Übernachtungsplatz. Mein Rad und ich trafen am Lagerfeuer auf viel Phantasie und es hagelte Vorschläge wie China, Mongolei, Afrika usw.. Um das Gespräch in andere Bahnen zu lenken, hörte ich mich zu meinem Erstaunen plötzlich selbst sagen: Also, momentan habe ich dazu leider zu wenig Zeit, aber in zwei Jahren kann ich wieder länger los und es geht um die Ostsee! Dieser spontanen Ankündigung ging allerdings nicht mal ein Blick auf die Karte voraus. Ein Bericht im Internet sprach dann von etwa 8000 km....

Planung

Endlich kam ich im Frühjahr 2019 zur Reiseplanung. Passbilder und neuer Reisepass mussten erstellt werden, als Ersatzteile für das Fahrrad sollten mit: Kettenblätter, Ersatzkette, Schläuche, neue Bremsen, ein Schaltzug, ansonsten das grundlegende Werkzeug plus Kettenöl,

Ersatzschrauben und Kabelbinder. Kurz vor der Fahrt wurden dann aber ausgewechselt und waren somit neu: Mäntel, Ritzel, Kettenblätter, Kette, ebenfalls Bremsen, der rechte Schaltzug (reisst erfahrungsgemäß etwa alle 11000 km und dieser hatte schon 8000 km).

Die Euroveloroute 10 wurde auf das Navi geladen und der vorhandene Kartensatz rausgesucht, es fehlten Südfinnland sowie Polen, die kaufte ich später vor Ort. Den südlichen Teil von Schweden beschloss ich wegzulassen und stattdessen ab Göteborg nordöstlich hoch zur Ostseeküste zu fahren, einerseits um ein paar Tage im schwedischen Mittelgebirge zu haben und andererseits, weil ich gerne erst nördlich vom Großraum Stockholm einsteigen wollte. In Stockholm war ich schon mehrfach gewesen und diesmal reizte es mich nicht. Eine genaue Strecke wurde aber nicht festgelegt, ich wollte mich grob an den Eurovelo-Verlauf oder die Parallelstraßen dazu um die Ostsee halten. Das Visum für Russland dauerte 10 Tage über die Internetbestellung und kam kurz vor Start an, weil das mögliche Startdatum lange unklar blieb.

Bild 2

Bild4

Und dann ging es am 31.5. auf die Fähre Frederikshavn – Göteborg! Mittags angekommen, klares sonniges Wetter in Göteborg, ein Kollege wollte nach Oslo weiter, und ich fuhr los auf den Sverigeleden. Radwandern!

    

Schweden nach Norden, die erste Hälfte Inlandstrecke

Der Sverigeleden, eine der schwedischen Radrouten, war durchgehend gut beschildert und mit Rückenwind fuhr es sich zügig. Die Strecke führte zwischen dem Vänersee und dem Vättersee durch und ging auf Örebro zu, danach durch das schwedische Mittelgebirge und schliesslich in Richtung Söderhamn an die Küste hinunter. Dort bin ich nach Norden auf die Eurovelostrecke 10 eingestiegen und deren küstennahem Verlauf weiter gefolgt. Die Route war dort abschnittsweise durch verschiedene lokale Küstenstrecken beschildert, aber ebenfalls gut zu finden

.Bild5

                              

Zwischen den beiden großen Seen war die Landschaft kleinteilig und sehr interessant, immer wieder alte Grabhügel, wilde Flüsse, zeitweise ein weiter Ausblick auf Seen, oft blütenreiche Wiesen und Wegränder an der Strecke, nur teilweise war es hier intensiver landwirtschaftlich geprägt. Streckenweise gab es wenig Einkaufsmöglichkeiten, es wurde

schnell klar, dass in den kleinen Orten viele der früheren Läden geschlossen waren. Auf den Gebirgsstrecken nördlich der Seen waren die Wälder dann ausgedehnter und stundenlange einsame Fahrten möglich, geprägt durch längere Anstiege und Abfahrten. Da zeitweise kaum Autos fuhren, fiel die unglaubliche Stille dieser Landschaft auf. Das einzige lautere Geräusch waren der eigene Fahrtwind und gelegentlich Vogelrufe von Kranichen in den umgebenden Mooren, jagenden Bussarden, oder von Spechten, die ich manchmal sogar vom Straßenrand aufscheuchte. Das Wetter war noch kühl, aber meist trocken, mit Ausnahme eines Landregentages. Die Nächte im Zelt waren ebenfalls noch eher kühl, aber nach den oft schönen tiefroten Sonnenuntergängen schlief es sich bei rufenden Kranichen in nahegelegenen Mooren doch sehr gut. An einem Standort jedoch hatte ich das Zelt neben einem Auerhahnbalzplatz aufgestellt, hatte den Kot zwar gesehen, aber der war ja verbreitet in den Wäldern zu finden. Die kämpfenden Männchen tobten lautstark um mein Zelt

Bild7

bis etwa 1 Uhr nachts, als etwas Dämmerung fiel. Ich freute mich und schlief endlich ein. Die Vögel waren aber schnell ausgeruht und das ganze Spektakel ging genauso lärmend und über den Platz tobend ab 3 Uhr morgens wieder los, als die Sonne schon wieder stieg. An Schlaf war nicht mehr zu denken!  

Mit der Abfahrt an die Küste wurde die Landschaft besiedelter. Da ich knapp an Wasser war, hielt ich hier an einem Privathaus bei einem älteren Herrn bei der Gartenarbeit. Resolut wurden die Flaschen ausgespült, neu aufgefüllt und bei einer Tasse Kaffee erhielt ich Hinweise auf die unangenehmeren Schotterabschnitte der Radroute. Einen Proviantbeutel mit Obst gab es obendrein.  

Schweden nach Norden, die zweite Hälfte auf der Küstenroute

Nördlich von Söderhamn bin ich dann die Küste auf der Euroveloroute 10 weitergefahren, im

Wechsel aber auch auf der E4, da die Eurovelo oft starke Schlingen macht. An der Küste folgte der Radweg dem kleinräumigen Auf und Ab des früheren Strassenverlaufs. Zeitweise war der Belag deutlich erneuerungsbedürftig und hatte viele Schlaglöcher im ansonsten festgefahrenen Schotter oder im Asphalt. Abschnittsweise waren die Strecken dann wieder sehr gut fahrbar. Entlang der E4 war andererseits kaum ein Randstreifen vorhanden und man musste immer mit eng passierenden LKW oder Wohnmobilen rechnen und die Druckwellen ausgleichen.

Landschaftlich ausserordentlich schön waren die flechtenbewachsenen Strandwälle, die in Terrassen hin zur Ostsee abfielen. An einem einsamen Abschnitt wurde ich von zwei Hornissen am Kopfbereich umflogen, also war ich zu nahe an einem Bau und hatte die Wächter aufgescheucht. Ich radelte aber gleichmäßig weiter und sie ließen nach zwei Umrundungen ab. Hätten sie mich für gefährlich eingestuft, hätte ich nach zwei Stichen in den Nacken wahrscheinlich Hilfe holen müssen, auch wären weitere Hornissen aus dem Bau dazugekommen.

Bild8

Am schwedischen Nationalfeiertag kam ich an einer Flußmündung an einem der Musikfeste vorbei und gesellte mich spontan dazu, da ich den traditionellen Liedern nicht widerstehen konnte. Ich wurde herzlich mit zum Buffet eingeladen und von der Musikkapelle sogar noch gesondert über das Mikro als cyklisten: Die Radfahrerin, die dazu gekommen ist, begrüßt.

Bild10

Kurz vor Sundsvall traf ich auf eine einzelne Radlerin, mit der ich dann diesen Tag zusammen fuhr und es genoss, mal wieder längere Gespräche zu führen und zu lachen. Zusammen haben wir eine sehr gut erhaltene Eisenverhüttungsanlage besichtigt und trafen dort zusätzlich auf einen lokalen Biologen, der ein Vegetationsdauerquadrat für Saxifraga osloensis aufnahm, also ähnlich meiner Arbeit sozusagen. Die Gespräche über die Ausbreitung von Störarten wie der Lupine und den auch in Schweden auffällig zunehmenden Nitrophyten waren sehr aufschlussreich. Leider besteht kaum Hoffnung, die Entwicklung umzukehren. Anschliessend fuhren wir nach Sundsvall, trafen vorher mit Samuel auf einen weiteren Radler und liessen den Tag zu dritt im Cafe ausklingen. Weiterfahren war nicht angesagt und ich blieb mit der Radlerin im Vandrarhjem für diese Nacht. Am folgenden Morgen ging es getrennt wieder auf Tour, aber der Kontakt bleibt bestehen.  

Bild11

Am Nationalpark Höga Kusten gab es Mittagsrast und eine Besichtigung der interessanten Ausstellung im Naturum, hier war ich auch früher schon wandern. Dann nach Norden weiter gefolgt durch Örnsköldsvik an der

Fjällrävenzentrale vorbei, leider war So und somit geschlossen, in den Folgetagen kam ich durch Umeå, Piteå und Luleå. Die Menge an studentischen und anderen Radfahrern, die mir in Umeå über die

Radbrücke entgegenkamen, hat mich stark beeindruckt. Die ganze Stadt ist durch Radler geprägt und überall sind Hinweisschilder für die Durchfahrtrouten. An diese Verhältnisse müssten wir dringend auch in Deutschland aufschliessen!

Kurz vor Lappland schlug plötzlich das Wetter um und statt dem täglich wärmer werdenden Klima mit Rückenwind hatte ich nun einen Temperatursturz von vorher über 16 Grad auf fast Null Grad tagsüber, dazu stürmischen Gegenwind aus der Polarregion, in den ich fast zwei Tage frontal hineinfahren musste. Keine Winterhandschuhe mit und die

Sturmböen durchdrangen die gesamte Kleidung. Ein entgegenkommender Radler sagte unter diesen Bedingungen seine geplante Norwegenfahrt ab und berichtete von Neuschnee nicht weit entfernt. Zum Glück beruhigte sich das Wetter in den Folgetagen wieder. In einer Nacht warnten die Vögel und es stellte sich heraus, dass ein Elch um das Zelt herumstrich.

In Töre in Lappland vermutete ich zwar das nördlichste Ende der Ostsee, das Photo von einem beeindruckenden Strand am nördlichen Ende des ersten Abschnittes stammte aber von kurz vor Haparanda, die Ostsee war hier sehr flach, ausgesüsst und mit Wasserpflanzen besiedelt, und tatsächlich war auch ein Spülsaum vorhanden! Ein toller Anblick.

Nach zwei Wochen Fahrt radelte ich am 14.6. bei sonnigem Wetter und Rückenwind über die finnische Grenze, gönnte mir am gleichen Abend die erste finnische Sauna und stand vor dem ersten großen Richtungswechsel meiner Fahrt.

Bild12.

Bild13                 Bild14

Finnland nach Süden von Tornio an der Grenze bis Turku

Am 16.6. mit einem Tag Pause und einer Kurztour in Lappland fuhr ich weiter, jetzt Richtung Süden! Es fiel schwer, nach so kurzer Zeit mit Mitternachtssonne und der lappländischen Natur schon wieder Abschied

zu nehmen. Anfangs waren in Finnland noch Radwegbeschriftungen vorhanden sowie ein gut ausgebauter Radweg. Später in Mittelfinnland fielen die Beschilderungen weg und man folgte Straßenstrecken auf der küstennahen Radroute über das Navi bzw. auf der stärker befahrenen E8 parallel dazu. Ich wechselte zwischen beiden Alternativen. Begeisternd waren gleich zu Beginn zwischen Tornio und Oulu die reichen Vorkommen von Trollblumen an den Straßenrändern, eine lange nicht mehr so reichlich beobachtete und bei uns selten gewordene Pflanzenart.

Es folgte Oulu. Hier kaufte ich mir neue Fahrradhandschuhe, weil ich nach einer Mittagsrast an einem Fluss von extrem schnell zustechenden Mückenhorden überfallen wurde, so dass ich mit dem Rad fast fluchtartig das Gelände verließ. Leider lag einer der Handschuhe zu schwach befestigt unter dem Spanngurt und war dann verloren. In Oulu liess ich mir auch eine zusätzliche Speicherkarte ins Smartphone einbauen, um endlich mehr Bilder speichern zu können.  

Im westlich gelegenen Vaasa an der finnischen Ostseeküste blieb ich einen zusätzlichen Tag in der

Hoffnung auf ein Mittsommerfest mit guter Musik für alle und teilte diese Erwartung mit mehreren Motorradfahrern, die sich auch auf dem Campingplatz dafür einquartiert hatten. Wir erkundigten uns aber vergeblich und wurden Zeugen, dass die trinkfesten Finnen in ihren Familienfeiern auch nach zwei Tagen noch problemlos aufrecht standen. Den Abend verbrachten wir dann zusammen (mit etwas weniger Alkohol!). Da sämtliche Läden und auch die allermeisten Lokale und Hotels für das Wochenende geschlossen hatten, hatten mehrere spät ankommende Radler keine Gelegenheit mehr, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Am nächsten Tag begegnete ich zudem früh einem weiteren Radler, der ohne Zelt die ganze Nacht hatte durchfahren müssen, weil keine Unterkunft mehr offen war. Mittsommer ist Ausnahmezustand! Finland is closed!                                                                                                                                                     

  Bild15                                                               

Im folgenden Abschnitt wurde es ländlicher und ich fuhr durch mehrere Städte mit sehr schön erhaltener Altstadt (bezeichnet vanha) und ihren charakteristischen Holzhäusern, und kam dann in die südlichen Schärengebiete, deren schöne und durch die geschützte Lage windstillere Küsten allerdings mittlerweile oft dicht bebaut sind. Auf der Strecke begegnete ich zwei jüngeren Franzosen, die für drei Jahre mit dem Rad unterwegs waren. Wir unterhielten uns beim Fahren über unsere Touren und ich sollte sie tatsächlich später in Russland überraschend wiedertreffen, wo sie genauso fröhlich und gut gelaunt unterwegs waren wie hier.

Bild16

In Turku war ich schon mehrfach gewesen und kannte auch den vorgelagerten Campingplatz auf Ruissalo. In einem zusätzlichen Tag konnte ich die Wäsche durchwaschen und das Rad, das jetzt auf dreitausend Kilometer zulief, einmal durchchecken. Ein Kettenwechsel war dran. Als ich vormittags in die Stadt aufbrach, traf ich überraschend auf zwei schon bekannte Radler, mit denen ich in Schweden nördlich von Sundsvall schon gesprochen hatte, sie waren über die Fähre Umeå-Vaasa gekommen. Die Sturmfront, durch die ich mittlerweile gefahren war, hatte sie nicht so stark betroffen. Wir genossen einen Teil der Stadtbesichtigung zusammen, dann wurde verabschiedet, denn die beiden wollten am nächsten Tag früh auf die Fähre nach Stockholm.

Von Turku nach Osten Richtung russische Grenze

Am 27.6. war dann Start in den nächsten Richtungswechsel, nach Osten Richtung Russland. Es war schon länger klar, dass ich jetzt viel zu früh dran war, denn das Visum für die Einreise war erst ab dem 10.7.gültig und dann für vier Wochen. Der die Nacht durchgefahrene Radler vor Vaasa hatte mir schon vorgeschlagen, die Wartezeit doch in Tallinn zu verbringen, was bei mir erstmal ein Fragezeichen auslöste, waren wir doch gerade eher in Finnland. Aber nach längerer Radelei gehen die Ländergrenzen vermutlich schon mal in der Wahrnehmung durcheinander. Also Richtung Ekenäs hinunter an die finnische Südküste, eine schnelle Fahrt mit reichlich Rückenwind und sonnigem, aber nicht zu heissem Wetter. Ich hatte jetzt schon oft die finnischen Gurken gekauft und da der Süden landwirtschaftlicher geprägt ist, kam ich nun tatsächlich auch an den ausgedehnten Gurkenfeldern dort vorbei. Ekenäs lag mit gut erhaltenen alten Holzhäusern an einer schönen Küste. Ich traf eine russische Radlergruppe und merkte, dass hier mit Englisch nichts mehr zu machen war. Ein Vorgeschmack. Dann ging es einen Tag später nach Helsinki weiter.     Bild17      

Von der Euroveloroute und dem Auf und Ab auf Feinschotter, die hier auf dem küstennahen Freizeitweg nach Helsinki hinein verläuft, bin ich schnell abgebogen und nach einer Nachfrage bei einem einheimischen Radler auf die

Schnellwegtrassen verwiesen worden, die entlang der Autobahn und dann auf einer umgebauten S-Bahntrasse verlaufen. Netterweise hatte dieser kurz Zeit und brachte mich an den Startpunkt dieser Trassen im Westen. So hatte ich gleich Gelegenheit, die heimische Fahrtechnik kennenzulernen, also hohe Geschwindigkeiten in der Stadt bei querbeet Fahrspurwechseln und Bordstein rauf- und runterjagen mit Vollgepäck, dazu sich Vorfahrt erarbeiten durch Ausbremsen von Autofahrern. Egal, hinterher! Erstaunlicherweise hat niemand wütend gehupt.

Bild18

Aber auf den Radschnellwegen fuhr es sich super und flott von einem Ende der Stadt ins andere auf den Campingplatz Rastila im Osten. Zwei Tage Helsinki und fasziniert von einer Stadt, die auf anstehenden Felsen gebaut ist. Durch ein Rockfestival war es überall sehr voll und alles auf den Beinen, eine super Stimmung.

Am 30.6. fuhr ich nach Porvoo zu einer Stadtbesichtigung der Altstadt und der Natur im Umland. Sehr viel Bustourismus war hier zu beobachten, auch viele Asiaten, Porvoo ist sehr bekannt. Dies war der erste richtig heisse Tag, d.h. es gab Sonnenbrand und ich merkte auch, dass ich bisher wohl zu wenig Fette in der Ernährung hatte, die Lippen waren aufgerissen, die Fingernägelränder auch. Jetzt war ich vier Wochen unterwegs. Also die Ernährung doch nochmal überdenken!

Der Skilift in Porvoo war für Mountainbiker umgenutzt, die liessen sich hochziehen und rasten dann die Steilhänge hinunter, ich schaute fasziniert zu. Ich brauchte jetzt nicht an die russische Grenze weiterzufahren, es war viel zu früh dafür, also wurde umgedacht und Richtung Norden nach Kouvola gezogen, noch ohne weiteren Plan. Dort traf ich in der Sauna eine Russin, die mit einem Schweden verheiratet war, beide lebten aber in Finnland. Wir unterhielten uns angeregt und ich war schnell zu Kaffee und Räucherlachs eingeladen. Und bekam dann jede Menge wertvolle Tipps für Russland, sowie die Bemerkung:

Russia is different, you know! But.......(ich wurde von oben bis unten gemustert)......YOU..... will probably like it! Sehr viel später verstand ich diesen Satz erst richtig.

Bild19

In Kouvola füllte ich meine Vorräte auf, von Brennspiritus bis Kaffee und Zucker fehlte jetzt fast alles. Abends schaltete ich mein Smartphone an und spontan löschte sich die SD-Karte, ich konnte nur noch zuschauen, wie sich der Speicher vor meinen Augen leerte. Ein grosser Schreck und ich ahnte schon, dass das nicht mehr wiederzuholen sein würde. Also am nächsten Tag in einen Handyladen, aber dort wurde die Vorahnung leider bestätigt. Erst später hörte ich, dass an diesem Abend ein großräumiges Problem in Nordamerika und Europa mit einer Schadsoftware aufgetreten war. Aber vielleicht war auch einfach das Gerät zu alt. Und dafür hatte ich jetzt extra den Speicherplatz erweitert.

Karelien

Da ich noch Zeit hatte, fuhr ich ein paar Tage zusätzlich nach Karelien hoch ins Saimaa-Seengebiet. Mir war sowieso nahegelegt worden, ich könne nicht Finnland verlassen, ohne diese tolle Gegend

Bild20

gesehen zu haben. Und die Finnen hatten Recht, das ist einzigartige Natur! Ein riesiger zusammen- hängender See, der viertgrößte in Europa, aufgespalten in unzählige kleine Seeflächen mit Inseln, Buchten, Stränden, dazwischen Wandergebieten und ausgedehnten Wäldern. Nur die endemische Saimaa-Robbe kriegte ich nicht zu sehen und musste im Museum über sie lesen.  

Nach Russland!  

Am 9.7. war ich in Lappeenranta in Südfinnland vor Ort, morgen sollte es nach Russland gehen!  Am 10.7 wachte ich tatsächlich etwas nervös auf, es waren aber nur noch 35 km bis zur Grenze Nuijamaa.

Bild21

Bild22

Ich hatte eine vage Angabe, dass kurz vor der Grenze eine Wechselstube in einer Seitenstrasse sein sollte, ich hatte noch keine Rubel! Also los. Vor der Grenze lagen grosse Einkaufszentren für die Russen, und die Wechselstube fand ich auch, sie lag rechts der Zufahrt ohne gesondertes Hinweisschild, man musste es eben einfach wissen. Kein Fenster im Container, kein Wort Englisch mehr. Schon jetzt. Dann kamen drei Passkontrollen, die für mich als Radfahrerin problemlos verliefen und ich war schon nach ca. 40 Minuten durch, die Autofahrer warteten Stunden. Aber die Russen waren sehr freundlich und bedeuteten mir mit Handzeichen, ganz nach vorne durchzugehen und in welches Gebäude ich zu gehen hätte.

Ich machte ein Grenzbild, dann fuhr ich los entlang eines angestauten Flusslaufes, des Saimaa-Kanals, der danach mehrfach von Brücken gequert wurde. Die umgebenden Wälder waren artenreich, hoch und undurchdringlich, hier fand keine Forstwirtschaft statt. Urwald! Die Strasse war eng, die wenigen Autofahrer fuhren dicht an mir vorbei. Seit der Grenze war meine Navigation verschwunden, ich hatte keine

Karteninformationen mehr auf dem Navi, obwohl ich das zu Hause noch überprüft hatte. Ich sah nur noch weisse Flächen und den Ostseerand. Ich war etwas irritiert und fuhr nach Straßenbeschilderung in Richtung Viborg, es gab nur eine Strasse. Zum Glück hatte ich als backup eine Karte mit und informierte mich da grob.

An den Brücken gab es weitere Kontrollposten, an denen ich mehrfach beobachten konnte, wie Autos gestoppt und kontrolliert wurden. Ich wurde problemlos durchgewunken, hatte aber ebenfalls jedesmal auf das Signal dazu gewartet. Die Gesichter der Menschen waren durchgehend starr und unbewegt, das war hier jeder gewohnt. Ich erreichte Viborg, das auf meinem Navi nicht mehr als Stadt angezeigt war, traf hier jedoch auf die im Navi lila markierte Radroute der E10 um die Ostsee, die ich als einzige Information jetzt noch sehen konnte. Im Blindflug durch Russland!

In Viborg machte ich Rast und meinen ersten russischen Einkauf, ein paar Sesam- und

Sonnenblumenriegel in Honig, sehr lecker. An einer Tankstelle wollte ich Wasser auffüllen, fand aber keine Toilette und fragte innen nach. Die Russin nahm wortlos meine beiden Trinkflaschen und ich sah, wie sie im Hinterzimmer die Flaschen aus ihrer persönlich gekauften 6 l- Wasserflasche für mich auffüllte. Hier gab es also nirgendwo Trinkwasser! Ich bedankte mich sehr herzlich, wie nett trotzdem!

Als mein Mann dann auf einer abgelegenen Waldstrecke einen Probeanruf auf meinem Handy machte, war das vorher verdreifachte Aufladekontingent sofort aufgebraucht. Um noch eine

Kurznachricht darüber zu senden, machte ich das Smartphone an, auf dem auch vorher das Datenvolumen erhöht worden war, nur, es war ebenfalls weg! Vernichtet? Geklaut? Beide Geräte gesperrt. Ich realisierte, dass ich jetzt wohl komplett abgeschnitten war von der gewohnten Kommunikation, keine Anrufe oder Nachrichten mehr möglich, dazu die Navigation verloren, alle Verkehrsschilder auf kyrillisch, englisch redete hier sowieso kaum noch jemand und wenn, dann sehr gebrochen. Jetzt musste ich für einen Moment doch ganz schön schlucken. Weiterfahren ins Nichts? Oder zurück nach Finnland, alles regeln? Zehn Minuten durchatmen.

Dann fuhr ich weiter, eigentlich war es früher ja auch nie anders, nur ist man das heute nicht mehr gewöhnt. Ich konnte spätestens in St.Petersburg versuchen, eine Lösung zu finden. Mit der Entscheidung konnte ich ruhiger weiterfahren und fing wieder an, die Fahrt zu genießen.

Ausgedehnte Kiefernwälder, offener Sandboden, zeitweise etwas viel Müll im Wald und an einem Rastplatz ein ausgeschlachtetes Auto, aber ich wurde sogar zweimal von Russen am Straßenrand gegrüsst. Lächeln sah man die Menschen jedoch nicht, die Mienen blieben unbewegt. Ich sah häufig Russen an Bushaltestellen stehen, die Gesichter in Richtung des zu erwartenden Busses gewandt. Zufahrtsstraßen zu Dörfern waren unbefestigt.

Ich hielt südlich von Jernilowo im Wald zum übernachten. Das Zelt schlug ich auf einer erhöhten Sandbank auf, zur Ostsee hin war ein Schilfsaum, kein Badestrand, Feuerstellen oder ähnliches und auch keine Fahrspuren auf dem Boden. Allerdings lag in ca. 50 m Abstand ein kurzer Strand, aber mit gesonderter Zufahrt für Autos, bei mir selbst waren davon keine Spuren zu finden. Ich kochte Abendessen und machte es mir gemütlich. Gegen Mitternacht, ich war so gut wie eingeschlafen, plötzlich ein Schuß. Sehr nah, sehr laut, ich war sofort am ganzen Körper hoch angespannt und lag auf Zehen- und

Bild23

Bild24

Bild25

Fingerspitzen im Zelt. Der Gewehrschuß ging nicht in meine Richtung, soviel konnte ich noch rekonstruieren, vermutlich nach Westen. Dann der zweite Schuss, den lokalisierte ich schon, auch nach Westen, also auf die Ostsee raus, es wurde klar, das war drüben an der Badestelle, sehr nah. Ich öffnete leise das Zelt, schlich hinter den Weidenbüschen hinüber zur Schußstelle und beobachtete zwei Wilderer, bei der Entenjagd. Einigermaßen beruhigt sah ich, sie waren nicht offensichtlich betrunken, und es wurde auch nicht sinnlos weiter geschossen, also waren keine Querschläger zu erwarten. Sie saßen an. Ich schlich wieder ins Zelt zurück. Offenbar waren die Enten aber jetzt verjagt und die Männer stiegen bald ins Auto und fuhren weg. Später in der Nacht hörte ich die Schüsse einige Kilometer entfernt wieder.

Dass gegen drei Uhr nachts dann wieder Lärm auftrat und auch mein Zelt im Scheinwerfer eines Quads kurz hell erleuchtet war, nahm ich nun schon als normal für eine russische Nacht hin. Ich schaute aus dem Zelt, ein Pärchen im Quad, langer, nach oben ragender Auspuff, enorm große Reifen, selbstgebauter Wagen. Sie drehten aber um und liessen mich in Ruhe. Endlich schlafen! Ihre mit der Axt gefällten Birken für ein Feuer fand ich am nächsten Morgen. Russia is different!

Am Morgen fühlte ich mich unausgeschlafen, der erste Tag in Russland war doch anstrengend gewesen. Weiter kein Kontakt zu irgendjemandem, von der

Nacht konnte ich auch nicht erzählen. Den passenden Witz dazu bekam ich im späteren Verlauf der Reise noch zugeschickt und musste darüber herzlich lachen.

Schnuppi hilft in jeder Lebenslage.

Bild26

Ich fuhr in Richtung St.Petersburg auf der Hauptstrecke weiter, Strassenschilder gab es wie üblich kaum, an den Häusern fielen die Selbstversorgergärten ins Auge. Immer wieder waren Häuser auch sehr liebevoll gestaltet. Kyrillisch lesen konnte ich nun schon ziemlich gut, das hatte sich schnell geübt. Die Strecke nach St. Petersburg genoss ich sehr, ich hatte aufgegeben, mich über irgendetwas noch gross Gedanken zu machen. Navigation hatte ich nicht ausser dem Kartenmaterial, aber da waren die kleinen Dörfer nicht verzeichnet. Läden zu erkennen hatte ich mittlerweile gelernt, auf den meist fensterlosen unscheinbaren Gebäuden stand oft nur ein kyrillischer Hinweis: frukti, manchmal auch nichts. Schaufenster gab es keine, aber drinnen war dann ein kleiner Tante-Emma-Laden zu finden mit allem, was wichtig ist.

 Bild27

 Bild28

Das Smartphone fiel zur Unterkunftssuche aus. Ich hatte einen Hoteltipp an der Primorskaja Chaussee von meinen finnischen Freunden und vermutete, da ich aus Richtung Primorsk komme, träfe ich sicher automatisch auf diese Hauptstrecke. Und richtig! Das Hotel 10 km vor St.Petersburg in Olgino war jedoch ausgebucht und die nähere Umgebung auch, aber eine

Sonderlösung war eine Campinghütte auf dem Hinterhof des Geländes, nachdem mir mitgeteilt wurde, dass das Hotel sonst nur Leute zu Fuss hätte. Meine Hütte war abenteuerlich mit offener Ritze an der Tür, feuchtkalt, Spitzdach, schon lange nicht mehr bewohnt. Aber das ganze Duschgebäude nur für mich! Mit Bodenheizung, die die Russen extra für mich anmachten. Meine kleine Hütte habe ich an diesem Abend erstmal mit dem Campingkocher trocken geheizt. Der zweite Tag in Russland. Die Laune war wieder hergestellt, aber noch konnte ich niemandem Bescheid geben, dieses Hotel hatte kein WiFi.

Ich schlief trotzdem richtig gut, die Rezeptionistin wunderte sich vermutlich sehr über die deutsche Radlerin, das Wetter war schön, also auf nach St.Petersburg! Als ich nach einem Stadtplan fragte, gab mir die Rezeptionistin einen Plan der Metro. Ich guckte wohl ein bisschen dumm, sie überlegte eine Minute und sagte dann:

Du brauchst keinen Plan von der Metro. Nein, ich brauche keinen Plan von der Metro. Du fährst mit dem Fahrrad in die Stadt. Ja, ich fahre mit dem Fahrrad in die Stadt. Dann brauchst du das nicht. Und nahm ihn wieder zu sich. Also keine Unterlagen.

Unterwegs konnte ich mich wieder an einen Radler anhängen und die hiesige Fahrweise kennenlernen, die noch unkonventioneller war als die in Helsinki. Der Radler war zunächst hinter mir, aber ich fuhr eindeutig zu zahm, und dann noch an jeder roten Ampel angehalten! Warum er sich dann nur vor mich setzte, weiss ich nicht, aber ich lernte, rechts an langen Staus vorbeizufahren, mich über von Autos blockierte Straßenkreuzungen durchzuschlängeln, egal, wer gerade rot hatte oder nicht, und in hoher Geschwindigkeit quer über mehrspurige Straßen zu kreuzen. Und dann hatte ich einen unvergesslichen Tag in der Stadt!

Da ich jetzt einmal online gehen konnte, konnte ich die Aufladesumme abrufen, die mein Mann mir zugeschickt hatte und mein kleines Handy aufladen. Was für eine Erleichterung! Dadurch konnte ich die erste sms rausschicken und Bescheid geben, dass es mir gut geht. Telefonieren war gestrichen, aber für den Notfall wieder eine Kontaktverbindung da. Die sms, bitte meinem Englisch-Club auch Bescheid zu geben, kam dann allerdings schon wieder nicht durch.

Bild29

Und ich war hoch fasziniert von der Stadt, mit dem Rad an der Neva entlangzufahren, die Museumsinsel, das Raumfahrtmuseum, das Museum über die Geschichte von St.Petersburg, wo ich zufällig sogar eine Chorprobe klassischer Musik geniessen durfte (ein Erlebnis!), die Peter- und Paulkathedrale, ohne Wartezeiten! Die goldenen Kuppeln in der Stadt. Eine Segelveranstaltung auf der Neva. Die Schlangen an der Eremitage waren mir dann aber zu lang, dafür ist es doch zu ungünstig, im Juli zu kommen. Auch im Innenhof an den Ticketautomaten lange Eintrittsschlangen. Also einfach touren, die Parkanlagen hatten Security und es war radfahren verboten, aber dadurch war es dort sehr ruhig und erholsam, Eindrücke sammeln, Gebäude, Verkehr, die Menschen. Und eingekauft, ein Supermarkt mit vielen speziellen russischen Produkten. Eine Russin hielt mir ungefragt ihre Rabattkarte hin und ich bekam netterweise Prozente. Am Abend traf ich noch auf eine Gruppe von etwa 25 Radlern, die auf einer Hauptstrasse alle zusammen als Gruppe fuhren und das über mehrere

Fahrspuren, am Freitagabend. Das kam mir bekannt vor. Leider war ich auf der anderen Straßenseite und konnte über die Mittelleitplanke nicht schnell genug wechseln, ich wäre gern mitgefahren. Also zurück zum Hotel, auf einer Hauptverkehrsachse, Staus rechts überholen hatte ich ja gelernt. Und dann setzte auch schon Sturzregen ein.

Am nächsten Morgen säuberte ich nach dem Sturzregen die Kette und musste neu ölen, als einer der angrenzend wohnenden Arbeiter, die jetzt zum zweitenmal morgens draussen Fußball spielten, dazukam, sich hinhockte und mir zusah. Er beobachtete und fing dann ein Gespräch an, was ich mit einigen russischen Brocken und Gesten versuchte mitzutragen. „Woher, Wer bist du,“ das ging noch, „die Kette nach dem Regen verdreckt,“ konnte ich über Gesten klarmachen, für die Informationen über meine Fahrt holte ich dann aber die Karte raus und zeigte die Strecke dort. Spannend, aber viel zu wenig Russischfähigkeiten meinerseits.

Über die Ostsee nach Kronstadt

An der Rezeption erhielt ich dann die Empfehlung, nicht durch St.Petersburg weiterzufahren auf die andere Seite der Ostsee, sondern die westliche Abkürzungsstrecke über das Meer über Kronstadt zu nehmen. Auf der Hinfahrt hatte ich dort zwar den Eindruck einer Autobahn gehabt, aber es wurde von mehreren Russen versichert, es wäre kein Problem mit dem Rad. Und ob ich denn auch eine kurze Zeit zu Fuss gehen könnte. Ja, ich kann eine kurze Zeit zu Fuss gehen, antwortete ich. Also 10 km zurück, und das zu Fuss gehen entpuppte sich als eine steile Treppe hoch und wieder hinunter, um auf die andere Seite der stark befahrenen Zufahrtsstrasse zu kommen. Alles mit Gepäck geschafft und dann rauf auf die Auffahrt. Ich glaubte noch an eine Lösung für die Radfahrer, aber das war nicht russisch gedacht.

Also Autobahn fahren auf die andere Seite der Ostsee, etwa 30 km! Die ersten Minuten waren noch gewöhnungsbedürftig, mein Randstreifen schmal, die Geschwindigkeit der Autos hoch. Dann hatte ich mich schnell daran gewöhnt, die Autofahrer schienen das für ganz normal zu halten, kein Hupen, keine Unsicherheitsreaktion. Und dann fand ich es klasse...., schnurgeradeaus, tolle Geschwindigkeit, guter Belag, Autobahn!!! Bis Kronstadt fuhr ich völlig entspannt, dann kam plötzlich ein Tunnel. Ich machte eine Vollbremsung und dachte an Kohlenmonoxid und ersticken, was jetzt? Ich wollte doch nicht die ganze Strecke zurückfahren. Da kam von der Seite schon ein Mann von der Security, winkte deutlich und holte mich von der Fahrbahn. Der Tunnel war verboten! Es hatte keiner etwas davon gesagt.

Der Mann schaute mich an, sagte so was wie: Podoschdite Minutku, und ging nach vorne zur

Auffahrt von der Stadt. Einen PKW ließ er fahren, den nächsten Wagen, einen weissen

Kleintransporter, hielt er an, sprach kurz mit dem Fahrer und der stieg aus, öffnete die Heckklappen und stieg hoch. Dann griff er mein Rad mit Gepäck (!) und mit einem problemlosen Schwung war das Rad zwischen seinen Kartons untergebracht und stand auch noch erstaunlich stabil. Klappen zu, er bedeutete mir einzusteigen und los. Ich wollte mich zunächst wie gewohnt noch anschnallen und das wurde von ihm vehement abgewunken. Nein, so was ist hier nicht nötig. Also den Gurt losgelassen und volle Geschwindigkeit in den Tunnel. Er brachte mich durch, hielt auf der anderen Seite, lud das Rad wieder aus und ich gab ihm die Hand! Spaciba! Problem gelöst auf russisch.

Dann ist er weitergefahren und ich konnte die restlichen 12 km nochmal Autobahnfahren genießen. Diesmal sogar mit Anhalten am Straßenrand für Fotos. Russian Cycling!

Am anderen Ende fuhr ich ohne weiteres Nachdenken mit den Autos die enge Abfahrt hinunter und dann ging es ans blind navigieren zu meinem vorgebuchten Hotel im Inland bei Gostilizy. Die Straßen waren weitgehend unbeschildert, daher schätzte ich nach Himmelsrichtung und Kilometerabständen meine Route und die Abzweiger grob ab. Klasse, dass auch diese Methode funktionierte! Nach dem gleichen Prinzip fuhr ich am nächsten Tag weiter zur Grenze nach Ivangorod. In beiden Städten hatte ich abends noch gut Zeit, entspannt herumzuradeln und das Leben zu beobachten. Das Fahrrad wurde über Nacht sicher eingeschlossen bzw. sogar von der Security bewacht.

Bild30

Estland, jetzt Richtung Westen!

Bild31

Bild34

Nach einer schönen letzten Abendstimmung in

Ivangorod querte ich am 15.7. die Grenze nach

Estland, Narva. Wenn ich jetzt geglaubt hatte, meine Navigation wiederzukriegen, dann sah ich mich getäuscht, die Kartengrundlage blieb verschwunden. Meine erste wieder westliche Mahlzeit an einer

Tankstelle fiel an diesem Tag eher ungesund aus.

Was in Estland sofort ins Auge fiel, waren die unzähligen Störche, überall auf ihren Nestern oder auf Wiesen und an Straßenrändern zu sehen. Jetzt erst fiel mir auf, dass ich davon keinen einzigen in Russland beobachtet hatte. Auch von den kleineren Singvögeln hatte ich dort eher wenige gesehen.  

Ich war wohl gedanklich noch in Russland, als ich im

Übergang von einer Bundesstraße zusammen mit den

Autos auf die nahtlos anschließende Autobahn nach Kunda auffuhr. Ein Verbotsschild für Radfahrer war nicht vorausgegangen, ich genoss das schnelle Fahren und so kam ich erst bei der zweiten Abfahrt auf den Gedanken, dass ich jetzt wieder zurück in der EU war, das hier irgendwie nach Autobahn aussähe und wie ich das wohl handhaben müsste. Also bedauernd die Abfahrt genommen und mir eine Nebenstrecke parallel dazu gesucht. Diese querte dann bei der nächsten Abfahrt die Autobahn oben rüber und ich entdeckte den schon hinter einem Betonpfeiler versteckt wartenden Dienstwagen. Gerade noch rechtzeitig runtergefahren!

Ansonsten war es in Estland entspanntes Fahren, die Radwege sehr gut beschriftet, der Eurovelo 10 auch an der Küste gut zu folgen, eine schöne Landschaft, viele Störche und wieder verbreitet englisch! Am ersten Tag blieb ich auf einem noch nicht ganz fertigen Campingplatz kostenlos und allein zum übernachten (vielen Dank!), am zweiten Tag fuhr ich durch den nördlichen Nationalpark Lahemaa bis Leesi durch naturnahe Kiefernwälder und an kleinen Dörfern mit alten Holzhäusern vorbei.

Es folgten zwei Tage in Tallinn, eine vielfältige und an Kultur überaus reiche Stadt, aber jetzt in der Hauptsaison doch sehr überlaufen. Das Übernachten auf dem City-Campingplatz war gewöhnungsbedürftig, es ist eben doch in der Stadt meist auf die Wohnmobile ausgerichtet und es stand nur eine kleine Grünfläche zur Verfügung.

Estland hat im ganzen Land verteilt staatliche kostenlose Übernachtungsplätze für Wanderer und Radler eingerichtet, z.T. mit Zeltmöglichkeiten, Hütten, Brennholz, manchmal auch weiterer Infrastruktur. Auf diesen habe ich in den Folgetagen übernachtet, meist unter Kiefernwald und direkt an den Küsten. Über die kalkgründigen Inseln Hiumaa und Saaremaa mit ihren Wacholderheiden erreichte ich nach landschaftlich beeindruckender Fahrt dann wieder das Festland.

Bild33

Bild35

Bild36

Begegnungen in Estland waren eine allein reisende

Schweizerin, die ebenfalls nach Russland radelte, ein Australier auf der Ostseeinsel Hiumaa, der mich frontal ausbremste, weil er dringend mal wieder mit jemandem sprechen musste (kein Problem, ich rede gern), einige Deutsche für einen gemütlichen Lagerfeuerabend und eine estnische Biologin, mit der ich mich lange über Naturschutz und die auch in Estland überhand nehmende Forstwirtschaft austauschen konnte. Zudem informierte sie über die

freilaufenden Schakale, die sich neben Wölfen bereits etabliert hatten und vermutlich aus einem Zoo stammten. Die Bekämpfung funktionierte nicht.

Eine Nacht war geprägt von der Jagd auf Strandameisen, die recht groß und sehr bissig waren und nachts immer wieder neu im Zelt auftauchten. Ich dachte erst an ein Loch in meiner Zeltwand, aber sie kamen durch die winzige Öffnung zwischen den Reissverschlüssen, die sie vermutlich schon mit Duftstoffen markiert hatten. Jede Viertelstunde wurde ich gebissen und konnte neue Ameisen aus dem Zelt schmeissen, Papier hatte nicht gereicht zum dichtmachen.

Lettland

Am 24.7. ging es dann nach Lettland über die Grenze an der Küste. Auf die Besichtigung des nahen Radmuseums hatte ich mich schon länger gefreut. An diesem Abend schlug ich mit einem jüngeren deutschen Radler das Zelt wild auf, wir waren abends noch ein Stück zusammen gefahren. Er drehte ebenfalls die Tour um die Ostsee, fuhr aber konsequent täglich seine 120 km, um dann ausschließlich draussen zu übernachten. Es war interessant, in ein anderes Lebenskonzept hineinzuschauen, was überlassen wir der jungen Generation aber auch für eine Welt. Dafür erhielt ich gute Tipps zum containern. Wir trennten uns am nächsten Tag in Riga.

Bild37

Bild38

Ich fuhr auf den City-Campingplatz dort für eineinhalb Tage Großstadt. Der Dom und das House of Blackheads mit den Kellergewölben haben mich schwer beeindruckt sowie die faszinierende Altstadt.

Allerdings fiel hier zum ersten Mal auf, dass mein Rad stärker in der Stadt gemustert wurde, so dass ich es mit in die Museen hineinnahm, und fragte, ob ich es in der Garderobe abstellen durfte. Das war nie ein Problem. Auf dem Campingplatz in Riga kam abends die Security zu uns Radlern und gab Bescheid, dass wir vorsichtig sein sollten und sie würden die Räder bei sich vorne gesondert bewachen, so dass wir abends unsere Räder dort auch anschlossen. Es war schon aufgefallen, dass unsere Ecke unter Beobachtung von draussen gestanden hatte.

In Lettland bog ich bei der Weiterfahrt nach langer Kiefernwaldstrecke an der Ostküste von der

Eurovelo 10 ins Inland ab, um eine andere Landschaft zu sehen und radelte an diesem Tag bis Sabile. Dort wies ein Schild auf einen botanischen Wanderweg und eine Übernachtungsstelle, so dass ich spontan Halt machte. Ein richtiger Glücksfall, ein Landwirt, der jetzt auf Weinanbau umstellte, hatte in Nachfolge für seinen Vater eine botanisch äußerst wertvolle Kalkquelle seit langer Zeit selbständig gepflegt, unter anderem dafür per Handmahd die Vegetation am

Kalkquellhang jährlich gemäht. Das hatte eine äußerst reichhaltige spezialisierte Flora zur Folge mit größeren Orchideenbeständen, Wacholderheiden, Kalkmoosen und Fettkraut sowie vielem anderen. Die Landschaftspflegezuwendungen aus öffentlichen Geldern waren hierfür kaum ausreichend. Er nahm sich lange Zeit für ein Gespräch und der botanische Rundgang war erstaunlich. Für die Übernachtung auf seinem freigemähten Platz mit Hütte, Trockentoilette und Feuerstelle nahm er 5 Euro. Mit einigen deutschen Radlern klang der Tag bei einem Glas Wein gemütlich aus. Am

Bild39

nächsten Tag fuhr ich zur Westküste weiter und südlich nach Liepaja kurz vor der litauischen Grenze. Dort traf ich einen Schweden aus Stockholm wieder, den ich schon in Estland kurz bei einer Rast gesprochen hatte. Er war weiter südlich geradeaus von Riga durchgefahren.

Litauen, Kurische Nehrung und zweite Einreise nach Russland

Wir fuhren am 28.7 zusammen über die litauische Grenze weiter nach Klaipeda, nachdem es abends mit einigen Litauern noch Schaschlikspieße und Vodka gegeben hatte. Der Tag wurde immer heisser, über 32 Grad. Der EV10 Radweg führte hier unerwartet durch puren Sand, wir frästen uns fest und suchten eine Nebenstrecke. In Klaipeda war eine Festveranstaltung und wir fuhren direkt hindurch und mit der kleinen Fähre hinüber auf die Kurische Nehrung.

Bild40

Bild41

Bild42

Ein langgehegter Traum, ich wollte hier immer schon mal Fahrradfahren und unter den Kiefern übernachten! You are the expert, hiess es dann und ich suchte unseren wilden Übernachtungsplatz im Wald, ein wenig sichtgeschützt vom Weg ab. Hufabdrücke auf einem Reitweg und Spuren von Rehen, harmlos. Dann sofort los an den Strand, schwimmen, ein tiefroter Sonnenuntergang, Abendessen, die Stimmung auf der Kurischen Nehrung hinter den riesigen Dünen. Ein Tag, der ein ganzes Leben lang in Erinnerung bleibt! Am nächsten Tag ging es weiter, die Fahrt auf der Kurischen Nehrung war unvorstellbar schön! Die langgestreckten Strände, Kiefernwälder, Birkenwälder, offene Heide- und Flechtenvegetation, und immer wieder die Ostsee.

In Nida suchten wir uns zum Mittagessen ein Restaurant und dann hieß es wieder: Einreise nach Russland! Zum zweitenmal für mich. Die Grenzbeamten sahen meine Stempel für den ersten Teil von Russland und zum allererstenmal sah ich einen Anflug von Belustigung in den Gesichtern. Der verflog aber schnell wieder, man durfte sich ja nichts anmerken lassen. Drei Grenzkontrollen wie gehabt, dreimal Passport vorzeigen. Dann hiess es plötzlich: hier müssten wir auch noch hin und etwas bezahlen. Ein kleines Kastengebäude, 150 Rubel und zwar   PRO FAHRRAD ! Auf meine Frage, wofür das denn wäre, wurde mir von der Russin geantwortet: Bike.....Visit.....Russia! Ich schaffte es noch zur Straße, bevor ich wieder mal laut lachen musste. Na dann Fahrrad, viel Spaß beim Besuch.

Und auf russischer Seite jede Menge Sehenswürdigkeiten, die ausgedehnte Wanderdüne, der tanzende Wald aus verdrehten Kiefern, ein

Wald mit sehr alten Erlen, Vogelschutzflächen u.v. a. Es waren sehr viele Russen unterwegs, um sich ihre Nehrung anzuschauen, sowie einige wenige Ausländer. An den Besichtigungsstellen war auf jeden Fall der Schusswaffengebrauch per Schild verboten, sehr beruhigend. Allerdings stellte ich ungläubig fest, dass ich ab der russischen Grenze jetzt als letzte Navi-Information auch noch den Verlauf der Eurovelo-Route verloren

hatte, neben der ausgefallenen Kartengrundlage. Ich starrte auf meine nun komplett weisse Anzeige und sagte zu Martin: Sorry, but I need some minutes to cope with this. Danach konnte ich mir regelmäßig anhören: Flying blind? Yes, flying blind, wenn ich wiedermal nach grober Himmelsrichtung navigierte.

Bild43

Abends waren wir auf einem Campingplatz mit Gemeinschaftsküche und eine Russin versorgte uns mit einem Teller gerade frisch gebratener Blinis, sehr lecker. Wir sahen wohl abgekämpft aus. Von den reichlich aufgeschichteten Gartengemüsen durften wir uns ebenfalls nehmen und die selbstgezogenen Gurken und Tomaten waren wirklich sehr schmackhaft. Bei den Russen floss dann ordentlich Vodka, aber wie in Finnland sah man das auch hier niemandem an.   Über Selenogorsk fuhren wir auf einer Nebenstrecke nach Kaliningrad weiter, und eine mehrstündige Stadtrundtour zu Fuss (auf die Idee wäre ich alleine gar nicht gekommen) schloss sich an. Kaliningrad erstickte allerdings im Straßenverkehr. Im Zentrum fünfspurig! Ein Nachtrundgang lohnte sich dann aber sehr, die Kirchen beleuchtet und der Verkehr sowie der Lärm etwas reduziert.

Durch Polen

Am 31.7. führte die Route schon wieder über die Grenze raus, ich hatte gemischte Gefühle und würde ganz sicher die kyrillischen Schriftzeichen überall richtig vermissen. Auf der Fahrt zur Grenze warteten am Straßenrand zwei verwilderte Hunde und ich war gleich alarmiert. Als wir uns näherten, gingen beim vorderen schon langsam wütend die Ohren nach unten. Ich radelte hinten, hatte also das Hauptproblem. Als ich vorbeifuhr, rannten beide los, der Vordere war nah dran. Ich schrie dreimal laut ein wütendes Stopp!, dann liessen sie ab. Immer wieder war der Vordere durchgestartet, die Ohren sauer nach unten geklappt.  

An der Grenze zu Polen wunderten wir uns, dass man hier einen Atemtest abgeben sollte, zum ersten Mal auf der ganzen Tour. Küstennah radelten wir bis Elblag, die Straßen waren zum Teil sehr schlecht und holperig sowie eng. In Elblag liessen wir Russland mit polnischem Bier ausklingen.

Am ersten August kamen wir in Danzig an, Martin sollte hier am Nachmittag auf seine Rückfähre nach Stockholm und ich hatte ein Zimmer für die Nacht und erlebte die Stadtbesichtigung in den Abendstunden. Die durchweg restaurierte Innenstadt mit den vielen künstlerisch bemalten Handelshäusern war äußerst faszinierend. In der Altstadt waren für das Wochenende Festzelte aufgebaut.

Bild44

Auf der Weiterfahrt am nächsten Morgen sah ich den jüngeren Radler wieder, der ab Riga südlich um Kaliningrad gefahren war, weil er kein Visum hatte. Er frühstückte und meinte, dass die aktuelle Hitzewelle doch ganz schön hart wäre. Wir hatten jetzt mehrere Tage mit deutlich über 30 Grad am Nachmittag hinter uns und merkten das. Dann ging es für mich auf die polnischen Radstrecken.

Bild45

Immer wieder Plattenwege, Pflasterstrecken, Sand, Schotter, zwischen den meist kaputten Straßenabschnitten. Das Fahren wurde anstrengend und man musste sehr konzentriert auf den Untergrund sein, um nicht in ein größeres Schlagloch zu fahren. Immer wieder längere Strecken im Stehen, setzte man sich auf den Sattel, mussten die Schläge der versetzten Platten abgefangen werden. Ich schaute kaum noch in die Landschaft. Als ich am zweiten Tag auf eine Straßenstrecke auswich, eine enge Allee, und mich schon über die riskante Fahrweise der Autofahrer gewundert hatte, machten hinter mir zwei Autos einen Zusammenstoß. Ich ging zurück, um nachzuschauen, ob alles o.k. wäre, und es stellte sich heraus, dass beide gleichzeitig zum überholen angesetzt hatten, obwohl zwei Autos im Gegenverkehr gefahren kamen!

Wladislawowo, Ustka, Niechorze, die Seebäder jetzt in der Hauptsaison sehr überlaufen. Teilweise waren die Straßenverhältnisse etwas besser, dann wieder der alte Grenzplattenweg. Aber der Tourismus soll doch zunehmend gefördert werden….

Bild46

Im Wald bei Niechorze hatte ich gerade noch Aufnahmen vom Kopfsteinpflaster gemacht, als in einem wenige Minuten unbewachten Moment die kleine Kamera verschwand. Leider fuhren Radlergruppen in beide Richtungen und ich folgte noch einigen, um sie zu fragen, aber es war vergeblich. Nur polnische Antworten. Auch in der anderen Richtung wurde ich nicht mehr fündig, obwohl ich mehrere Menschen ansprach und die Reaktion beobachtete. Der Schreck sass tief und ich suchte auch danach noch mehrere Kilometer in beide Richtungen ab, ob sie vielleicht doch noch ins Gebüsch geschmissen wurde. In Niechorze hinterliess ich meine Adresse, aber die Angestellten in der Touristeninformation schauten mich bereits bestimmt an: Sowas kriegt man hier nicht wieder, gar nicht dran zu denken. Polizei gab es nicht. Meine eigene Schuld. Das Fahrrad war gesichert, aber die Kamera hatte ich wohl zwischen einigen Picknicksachen gelassen. Die Verhältnisse waren hier einfach anders und ich hätte die Anzeichen dafür deutlicher lesen müssen. Ein herber Verlust, nichts mehr zu machen.

Um auf andere Gedanken zu kommen, ging ich dann etwas essen und wollte mir im Wald einen ruhigen Zeltplatz suchen. Auch das nicht möglich, zuerst beobachtete ich Schießtraining von mehreren Männern sowie einem etwa 12-jährigen Jungen mit Pistolen, noch nicht mal weit weg vom Radweg! Danach sah ich entfernter Schatten durch die Büsche huschen und mir wurde klar, dass das vermutlich wilde Hunde waren, das Verhalten war auffällig. Das war zu gefährlich. Also zurück zum Ort und in den ersten etwas begrünten Campingplatz, auch hier wieder ausschließlich polnisch gesprochen. Ich baute auf und aß noch etwas, als plötzlich eine junge Frau an mein Zelt kam und mir auf englisch Bescheid gab, dass hier oft Fahrräder geklaut würden und ich sollte meines lieber bewachen und anschließen. Ich bedankte mich, und fand es sehr nett, dass sich die Campergemeinschaft bemüht hatte, mich zu informieren, aber so langsam konnte ich kaum noch glauben, wie dieser Tag verlief. Naja, ich schloss mein Rad abseits von der Platzdurchfahrt gut gesichert und etwas versteckt an und hatte es auch nachts im Blick. Gegen drei Uhr wachte ich von klirrenden Geräuschen auf und jemand testete tatsächlich an den Rädern der Hauptdurchfahrt, ob sie angeschlossen waren. Nicht zu fassen! Er wurde nicht fündig, meins sah er nicht. Ich wachte danach automatisch stündlich auf und warf einen Kontrollblick, aber jetzt war Ruhe.

Der letzte Grenzübergang: zurück in Deutschland!

Bild47

Bild48

                                     Bild49

Am nächsten Morgen startete ich in meinen letzten Tag offroad-Training in Polen und das gab nochmal alles her, was möglich ist, in Richtung deutsche Grenze. Dann endlich Swinemünde! Die Fähre, und auf der anderen Seite die Anfahrt nach Usedom. Grenze!!!!!!Deutschland!! Und endlich vertrautes Terrain, ich genoss die Fahrt durch die bekannten Badeorte und nahm mir heute ein Hotelzimmer mit Saunabereich. Das musste jetzt sein! Und nicht zu glauben, mit dem Grenzübertritt war meine NAVI-Kartengrundlage wieder aufgetaucht! Alle Informationen wieder da.

Danach fuhr ich quer durch Mecklenburg-Vorpommern erst über die Peenebrücke und dann direkt nach Parchim weiter, wo mein Mann und mein Sohn an unserem vermieteten Mehrfamilienhaus mit Erdarbeiten für eine Schilfkläranlage beschäftigt waren. Dort fiel ich für fast 16 h in tiefen Schlaf. Ich wachte nur zum essen und trinken kurz auf und fühlte mich am ganzen Körper zerschlagen. Das hatte sich vorher überhaupt nicht abgezeichnet, eigentlich war ich ja bis zum Schluß sogar über die polnischen Stolperstrecken konzentriert gefahren?? Also wegen der Kamera?  

Bild50                                                                     

Auf jeden Fall war ich am Tag danach soweit regeneriert, dass ich m eine

Abschlussfahrt machen konnte, von Friedrichsruhe bei Parchim nach Böklund jetzt durchgefahren, die letzten 257,5 km der Ostseetour! Bei überwiegend gutem Wetter über Schwerin, Rehna, Schönberg, Travemünde, Timmendorf, Eutin, Plön, Kiel, dann war es dunkel geworden und es ging über die Fähre Quarnbek über den Nord-OstseeKanal nach Eckernförde, Schleswig und Böklund zurück!

Finished 10.8.2019 !

Die Abschlussfahrt hätte nicht schöner sein können, mein Rad und ich alleine in der nächtlichen

Stille..... !!

Bild51

Ferry over the Kiel canal                                                      What I look at…..

Bild52

Kiel canal                                                                           Eckernförde

Bild53

Coming into Schleswig                                                         Almost there

  Bild54               And back !

  

                   That’s it 2019.

Ich habe es unendlich genossen. Vielen Dank an mein Rad, die     Familie und meinen Englischclub für einen wunderbaren       Sommer 2019!

Einige Kurzangaben:

-Gesamtstrecke ca. 7200 km, ab Göteborg bis zurück Böklund, darin enthalten einige Tage

Karelienrundfahrt

-einmal Kette gewechselt Turku, Bremsen nachgezogen Estland, alle 1000 km Kette gereinigt und geölt sowie mehrfach direkt nach Unwettern, wenn Dreck hochgespritzt war.

-ein Lenkerstopfen verloren in Danzig, bei Regenwetter einmal an einer rutschigen Kante gestürzt

-keine weiteren Probleme mit dem Rad, kein einziger Platten, ist das zu glauben?

-nach der Tour allerdings sofort neue Mäntel aufgesetzt, waren dann völlig runtergefahren, Kette,

Ritzel, Kettenblätter kurz danach

Tageskilometer in Schweden meist zwischen 120 und 155 km, einmal 57, einmal 165. Danach

Finnland, 110 bis 145 km. In Karelien und Russland um die 100 km pro Tag, unverzichtbare Saunazeiten und Besichtigungen dabei. Spanne insgesamt zwischen 57 km vor Sundsvall mit Kulturprogramm bis 257,5 km für die Abschlussfahrt am letzten Tag.

In größeren Städten und in Estland jeweils einen Tag extra eingelegt für Besichtigungen, St.Petersburg 2,5 Tage (da muss ich wohl nochmal hin!), sowie einen Tag ausschlafen in Mecklenburg.

Übernachtung ca. 75 % wild, ging fast überall problemlos, in Finnland wurde ich zusätzlich aufgeklärt: Do you know your rights? Daneben zelten auf Campingplätzen, einige Male Hotels, Ferienwohnung/Zimmer oder Hütten auf Campingplätzen.

Verletzungen/körperliche Beeinträchtigungen:

kaum, in Polen einmal durch langes Plattenwegefahren linkes Knie verrutscht, wieder eingerenkt. Durch den langen Druck auf die Finger an beiden Händen leicht taube Fingerspitzen bzw. die beiden obersten Fingerglieder. Rechte Hand stärker betroffen als linke. Leicht prickelndes Gefühl, Feinmotorik und Kraft schwach gestört, kommt hoffentlich alles wieder. Unfälle keine.

Nervige Tiere:

Stechmücken, Bremsen, Pferdebremsen, Kriebelmücken, Zecken (zweimal), Hornissen, Ameisen,

Blutegel, wilde Hunde, von Bären einmal ein Abdruck in Russland, ein Elch mitten in der Nacht am Zelt, kämpfende Auerhähne am Balzplatz, viel zu viel Vogelgesang jede Nacht im Juni (was ich ansonsten aber toll finde!).

Sonstige Erschwernisse:

Kälteeinbruch, Hitzewelle, Hagel, Sturm, Sturzregen, nasses Zelt, widrige Radstrecken, ausgefallene Navigation und Kommunikation, Wilderer, Diebstahl, verschimmelte Butter, Algen im Trinkwasser und schwer zu reinigende Flaschen, zu viel Vodka ablehnen (nicht einfach!).

Und die tollen Seiten der Radtour:

Das riesengrosse Gefühl von Freiheit, Glück und intensivem Erleben: Radfahren. Mit dem Rad durch die Landschaft zu fliegen, schnelle Abfahrten, Rückenwind, unvergleichliche Landschaften, die Tier- und Pflanzenwelt, Kultur, die vielen Kontakte zu Menschen: Einheimische, Urlauber, Radler. Die Gastfreundschaft: Einladungen zu Kaffee und Kuchen oder zum Essen, zu russischen Blinis, Vodka, Kaffee aus dem Wohnmobil gereicht zu bekommen, abendliches Zusammensitzen am Feuer. Zeitweise zusammen zu fahren, bis hin zu mehreren Tagen am Stück. Freundschaften zu entwickeln, sich mit interessanten Menschen zu unterhalten, viel zu lachen. Nicht zuletzt: Sich selbst sehr gut kennenzulernen. Und für all das braucht man nur sehr wenig!

Die Spruchklassiker dieser Reise:

Do you know your rights?

Yes, I know my rights! (Finnland, wild übernachten)

We have here only people on foot. (Hotel St. Petersburg)

Can you go on foot for a short time?(Hotel) Yes, I can go on foot for a short time!

You don´t need a map of the metro?(Hotel) No, I don´t need am map of the metro.

You go to St.Petersburg by bike?

Yes, I go to St.Petersburg by bike.

Then you don´t need this.

No.

Und 150 Rubel zu entrichten für:

Bike......Visit........Russia!

(Grenzübergang Kaliningrad)

Flying blind?(Martin, Kurische Nehrung) Yes, flying blind.

Sowie ein denkwürdiges Gespräch in Finnland vor einem Supermarkt. Ich saß auf der Bank draussen beim Mittagessen. Ein Finne fragte, was ich mache.

I´m cycling around the Baltic Sea.

What?

Yes, I started in Göteborg, went north through Sweden, back south along the coast in Finland and now it´s to Russia and back through the baltic states and Poland to Germany.

How many kilometers are that?

Seven- to eightthousand.

An diesem Punkt brach er in schallendes Gelächter aus und konnte sich nicht mehr halten. Seine Frau kam ebenfalls, er gab die Geschichte weiter und dann krümmten sich beide vor Lachen. Ein weiteres Gespräch war nicht mehr möglich. Beide setzten sich lauthals lachend in ihr Auto.

                                   Bild55

 

Richtung Süden zur Zugspitze

Vor fast 2 Jahren hatten Heinz und ich die Idee, mit dem Fahrrad einmal zum Nordkap zu fahren. Nach langem Hin und Her hatten wir uns für den Zeitraum Juni / Juli 2021 entschieden.

Beide sind wir schon lange immer wieder mit dem Fahrrad auf unterschiedlichen Touren unterwegs, dass wir meinen, über ausreichend Routine und Erfahrung zu verfügen, uns auf dieses "Abenteuer" einlassen zu können.

Aus den bekannten Gründen ist es dann aber ganz anders gekommen.

So haben wir unsere erste gemeinsame Reise einmal längs durch Deutschland vom Aschberg zur Zugspitze geplant.

Bild1_Aschberg.jpg

Für den Routenverlauf haben wir uns für den Radfernweg D9 entschieden, auch bekannt als Weser-Romantische Straße. Dieser verläuft von Cuxhaven über Bremen, Bad Karlshafen, Kassel, Fulda und das Taubertal bis nach Füssen.

Wir haben uns bewusst für diese Route entschieden, da es größten Teils immer an den Flussläufen entlang geht. So sind wir am NOK, Weser, Fulda, Sinn, Main, Gau-Bahn-Radweg, Tauber, Wornitz, Sulzach, Donau, Lech, Ammer und Loisach entlang geradelt. Größtenteils sind die Flüsse ja bekanntlich verbunden. Aber wir mussten uns auch mal einen Tag durch die Rhön quälen. In Höhe Urspring am Lechsee haben wir dann die D9 Route verlassen und sind über Oberammergau nach Garmisch-Partenkirchen gefahren.

Beide waren wir mit einem Trekkingrad, ausgestattet mit einer Rohloff Schaltung, unterwegs. Da wir die gesamte Tour gezeltet und uns überwiegend selbst verpflegt hatten, kamen wir auf rund 25 kg Gepäck.

Bild2_Aschberg.jpg

 

Unsere Etappen mit Kilometerangaben, Durchschnittsgeschwindigkeit und Höhenmeter

Die Angaben beziehen sich immer auf die reine Fahrstrecke. Also ohne Pausen- und Wartezeiten etc.

Tag 1:

Aschberg – Cuxhaven – 132 km – 20,7 km/h – 166 Hm (inkl. 26 km Fährverbindung)

Übernachtung: Camping Seelust

Tag 2:

Cuxhaven – Bremen – 146 km – 18,1 km/h – 237 Hm

Übernachtung: Hanse Camping

Bild3_Aschberg.jpg   Bild4_Aschberg.jpg

Tag 3:

Bremen – Mehlbergen – 101 km – 19,2 km/h – 129 Hm

Übernachtung: WoMo Stellplatz Marina Mehlbergen

Tag 4:

Mehlbergen – Hameln – 134 km – 19,7 km/h – 317 Hm

Übernachtung: Camping am Waldbad

Bild5_Aschberg.jpg   Bild6_Aschberg.jpg

Tag 5:

Hameln – Gieselwerder – 116 km – 19,7 km/h – 282 Hm

Übernachtung: Campingplatz Gieselwerder

Tag 6:

Gieselwerder – Beiseforth – 115 km – 18,5 km/h – 570 Hm

Übernachtung: Campingplatz Beiseforth

 

Bild7_Aschberg.jpg  Bild8_Aschberg.jpg

Tag 7:

Beiseforth – Heubach – 134 km – 17,5 km/h – 808 Hm

Übernachtung: Camping Rhönsicht

 

Tag 8:

Heubach – Heuchelhof – 118 km – 18,6 km/h – 527 Hm

Übernachtung: Campingplatz Kalte Quelle

Bild9_Aschberg.jpg  Bild10_Aschberg.jpg

 

Tag 9:

Heuchelhof – Schillingsfürst – 81 km – 16 km/h – 747 Hm

Übernachtung: Campingplatz Frankenhöhe

Tag 10:

Schillingsfürst – Utzmemmingen – 89 km – 16,8 km/h – 699 HM

Übernachtung: Campingplatz Ringlesmühle

Bild11_Aschberg.jpg  Bild12_Aschberg.jpg

 

Tag 11:

Utzmemmingen – Mühlhausen – 110 km – 18 km/h – 637 Hm

Übernachtung: Lech Camping

Tag 12:

Mühlhausen – Urspring – 120 km – 16,4 km/h – 789 Hm

Übernachtung: Claudia Camping

 Bild13_Aschberg.jpgBild14_Aschberg.jpg

Tag 13:

Urspring – Garmisch-Partenkirchen – 75 km – 15,5 km/h – 574 Hm

Übernachtung: Camping Erlebnis Zugspitze

Bild15_Aschberg.jpgBild16_Aschberg.jpg

 

Fazit:

Unsere Reise startete am 18. Juli 2021 auf dem Aschberg. Geplant haben wir für die gesamte Tour inkl. Rückreise 17 Tage. Überraschend haben wir die Strecke bis Garmisch-Partenkirchen in nur 13 Tage geschafft. Bei einer Gesamtlänge von 1.463 km ergibt das einen Tagesdurchschnitt von 113 km und eine Durchschnitts-Geschwindigkeit von 18,2 km/h.

Für die Heimreise haben wir uns ein Auto gemietet und so sind wir am 02. August 2021 wieder in Schleswig angekommen.

Unser Hauptmerkmal richtete sich auf das Radfahren. So hatten wir wenig Zeit für sideseeing, was natürlich schade war. Aber wir hatten für die gesamte Tour nur einen begrenzten Zeitrahmen. Wir hatten auf der Tour zum Glück keine Pannen oder sonstige Ausfälle, so dass wir immer im Zeitplan waren.

Die Campingplätze und Radwege waren von schlecht bis sehr gut. Wie schon erwähnt, ging es immer am D9 Radweg entlang. So fuhren wir größtenteils auf ruhigen Straßen.

Eins steht fest: die Nordkap-Tour 2022 kann kommen.

Bild17_Aschberg.jpg Bild21_Aschberg.jpg

Bild23_Aschberg.jpg

Berlin München Berlin 2021 ein Fahrbericht über ein großartiges Event mit neuen Erfahrungen

 

(Wahnsinn, Überforderung, Sitzcreme, Erholsames Übernachten, Geschichte, Glück, dass sind so meine Stichworte der Tour)

Man muss wahnsinnig sein….

Die Strecke ist ein Arschloch, aber es wird besser……….

 Bild1.jpg

 

Nach PBP 2011,2015 und 2019 und LEL 2013 sollte in 2021 im Inland eine große Tour (Superbrevet) in Angriff genommen werden.

Die sympathische Homepage von Ben Urbanke und seiner Crew, die geschichtsträchtige Strecke in einer Gegend, die ich sehr mag und in Teilen auch kenne, waren Grund genug sich anzumelden.

Das Zeitfenster von 128 Stunden  bei 1.500 km Streckenlänge und ca. 11.000 Höhenmeter sah nicht nach Hetzerei aus und sollte die schmalen Kontrollpunkte und das aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl zu erwartende Alleinfahren möglich machen.

Nach dem Okay meiner Frau meldete ich mich im Herbst 2020 an und bereitete mich mit 5.500 km in 2021, kaum hügeligen Trainingsstrecken und nur 4 Strecken oberhalb von 200 km eher schmal vor.

Für die Zukunft und Dritte: Besser sind 8.000 km, mehr Bergtraining und eher 10 lange Touren

 

Der Plan:

START Berlin Olympiastadion - Do. ab 8 Uhr
K1. Leipzig (ca. 200 km) - Do. 14 Uhr bis 18 Uhr 21 Uhr - BMB-Verpflegungswagen
K. 2. Waldershof (ca. 425 km) - Do. 21 Uhr bis Fr. 14 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche, Bag-Drop
 K3. Regensburg (ca. 575 km) - Fr. 8 Uhr bis Fr. 22 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche
 K4. München (ca. 710 km) - Fr. 16 Uhr bis Sa. 24 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Rückgabe des Bag-Drop für One-Way Teilnehmer*innen
 K5. Regensburg (ca. 840 km) - Fr. 22 Uhr bis Sa. 22 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche
 K6. Waldershof (ca. 1.000 km) - Sa. 8 Uhr bis So. 12 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche, Bag-Drop
 K7. Dresden (ca. 1.250 km) - So. 8 Uhr bis Mo. 8 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche
 K8. Lutherstadt Wittenberg (ca. 1.400 km) - So. 14 Uhr bis Di. 6 Uhr - Freie Kontrolle (24 Stunden Tankstelle)
 FINISH Berlin - So. 18 Uhr bis Di. 16 Uhr

 

Anders als sonst mit Familie konnte ich meinen Freund Hans Jürgen motivieren, mich mit Auto zu begleiten. Erst überlegte er noch tagelang eine Strecke zu fahren, dann entschied er sich mich mit Auto zu unterstützen.

Am Vortag reisten wir nach Berlin an und am 29.7.21 startete ich mit 120 Fahrern (Hälfte one way nur nach München) am Olympiastadion morgens um 8 Uhr.

Übernachtungsplan war offen, daher bat ich Hans Jürgen erst am 30.07.2021 mir zu folgen.

Bild2.jpg

 

Es ging dann erstmal in großen Gruppen gegen 4 Windstärken Richtung Leipzig.

Am Anfang im Grunewald bekam ich den entscheidenden Tipp: „Frank, ich schmiere die Sitzcreme alle 100 km konsequent auf die Nähte der jeweilige Hose, Tipp von der Gewinnerin des Transcontinental Races“. Ich bin der jungen Frau dankbar, so machte ich es mit der Assossitzcreme und hatte erst Probleme auf den letzten 100 km. In ewiger Dankbarkeit…..

Etwa 170 der 200 km konnte ich in der Gruppe so Kraft sparen und auch die herrliche und einmalige Zufahrt nach Leipzig schon ab dem Zeitpunkt sehr geniessen, wo man das MDR Hochhaus sieht.

Kontrollpunkt und Beginn der Vegan-Verpflegung war beim Völkerschlachtdenkmal.

Laune top !!!

Bild3.jpg

 

Ich fuhr ab Leipzig mit einzelnen Teilnehmern weiter mit dem Ziel Marktredewitz/Waldershof, Kilometer 425.

Wie ich mich selbst verflucht habe an dieser Stelle, lass ich mal weg….

Über Gera, Zeitz, Plauen ging es durchs Vogtland Richtung Hof mit 15 Anstiegen (laut Garmin). An einem Tag von Berlin, durch Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern flascht einen und man ist durch die Hügel und die Streckenlänge in der Härte der Tour angekommen, etwas wie Hammer auf den Schädel wirkt und auch notwendig ist, um die Herausforderung anzunehmen.  

Dort in Waldershof kam ich am 30.7.21 morgen um 7.15 Uhr an, bat die Crew um Radcheck da die Schaltung rummuckte, ging Duschen und schlief knapp über eine Stunde auf einer Isomatte.

„Ja lieber Frank, du solltest beide Schaltzüge wechseln, wir haben hier nichts, aber die reißen bald.“ So wurde ich nett gegen 10 Uhr begrüßt und die nächsten 2 Stunden bis zum ersten 15minütigen Treffen mit Hans Jürgen verbrachte ich in einer Cubewerkstatt am Ort.

Alles wieder fit, ging es um die Mittagszeit weiter. Hans Jürgen und ichverabredeten ein Treffen nach weiteren 160 km in Regensburg, wo ich dann „vernünftig“ übernachten wollte. Um 21 Uhr gings zum Abendbrot zum Griechen.

Bild4.jpg

 

Nach dem Griechen haben wir dann noch fast bis 1 Uhr im Hotel uns über die Erlebnisse der ersten 585 km und Allem was Hans Jürgen so passiert ist, bei mehreren Bieren ausgetauscht.

Nach einem erholsamen Schlaf von etwa 5 bis 6 Stunden ging die Klamottensortierei auf meinem Zimmer los. Ein Luxus, wenn ein Auto dabei ist, aber auch das Angebot ist groß und es wird nicht übersichtlicher.

Dann bekamen wir ein Superfrühstück und um 9 Uhr gings weiter.

Plan für den 31.7.21 135 km nach München und 135 km wieder zurück. Die fast nicht vorhandenen Hügel erwähne ich nicht. Aber die tolle und nette Kontrolle der Crew hinter München-Bogenhausen. Die Anfahrt und Abfahrt nach München ein großes Erlebnis. Vegan fühlt den Bauch nicht so sehr und ist sehr bekömmlich.

Bild5.jpg

 

In München wurden die One Way Fahrer beglückwünscht. Ich war noch gut in der Zeit, allerdings hatte kaum jemand so üppig, wie ich in Regensburg übernachtet, daher fuhr ich allein.

Nach dem Wendepunkt in München nach 710 km kamen mir noch 20 Fahrer entgegen, für die persönliche Motivation auch wichtig. Von den 20 haben wohl 2/3 nur One way gefahren. Niemanden traf ich wieder. Waren wohl auch die geschätzt knapp 10 Prozent dabei, die wegen Regen, Bergen und allgemeiner Überforderung oder auch realistischer Einschätzung der Kräfte aufgaben.

 

Das ist jetzt mal das einzige Regenbild. Ab dem 1.8.21 ab Regenburg nach dem Frühstück war der Regen ein regelmäßiger Begleiter. Ich komme damit gut zurecht, da ich mal wieder alle Probleme wie Nässe, keine Kraft, Dunkelheit, Unsicherheit und aufkommender Respekt mir schön geredet habe (das heißt ignoriert), auch um die erforderliche Motivation, Ruhe, die Fokussierung und die Konzentration zu behalten.

Bild6.jpg

 

Ab Regensburg bei 300 weiteren Kilometern wollte ich gerne im Erzgebirge übernachten.

Dort kam ich am 2.8.21 morgens um 5 Uhr an, nachdem ich in der Nacht bei Klingental mir mühsam ein USB-Kabel beim IFA Hotel erfragte, ich im Dauerregen in einer Holzhütte saß und den ersten Teil von 19 Anstiegen im Erzgebirge abfuhr. Kurz vor dem Hotel ging es endlos durch Aue, kilometerlang über Schotterwege, die Etappe nahm kein Ende, ebenso wie die Anstiege.

Im Hotel hatte Hans Jürgen den Abend schön mit dem Wirt, zu DDR-Zeiten ein gedopter Schwimmer verbracht. Ich schlief 3 Stunden und dann gab es zum 3. Mal ein Riesenfrühstück.

Zum Start zu den letzten 360 km bis Berlin, die ich in etwa 24 Stunden schaffen wollte, brach ich am 2.8.21 um 11 Uhr auf.

Begrüßt durch Regen, stieg ich mit Socken in Plastiktüten, die ich in blau verklebte. Ab Zschopau wurde es trockener. Die Tüten mussten auch weg, wer weiß, was da sonst zu wenig Luft bekommt….

Bild7.jpg

 

Die restlichen Anstiege im Erzgebirge durch Grünhainichen und andere Orte waren sehr ordentlich und so langsam war die „Ebene“ ab Freiberg und Dresden in Sicht. Richtig voran kam man nicht wirklich. Für die ersten 30 km am Morgen brauchte ich 2,5 Stunden.

Die Strecke hatte der Veranstalter über Komoot abgefahren, ich hatte die Abschnitte auf ein Garmin Edge 1030 runtergeladen und war über Garmin Connect und Whats App mit Family und Hans Jürgen verbunden. Jede Nachricht erschien auf dem Garmin, tolle Motivation. Besonders als mein Sohn Brian mir signalisierte, der „schwierige hügelige“ Teil sei vorbei. Da musste ich auch dank der tollen Unterstützung erstmal eine Träne verdrücken. Die Emotionen begleiten einen bei einer solchen Tour sehr.

Gegen 17 Uhr erreichte ich Dresden. Leider waren auf der Rückfahrt alle Kontrollen schon aufgelöst, da die Crew nicht die Kapazitäten hatte noch auf jeden zu warten.

Bild8.jpg

 

Was Alles eine Reise noch wert ist, sieht man unterwegs. Vieles speichert man ab und hofft dort dem noch mal später einen Besuch abstatten zu können.

Ab Dresden ging es auf den Elberadweg 160 km bis Wittenberge. Bis um 21 Uhr die Sohne unterging und ich noch Dampfer und Meissen sah, war alles okay.

Dann kam ein Motivationsloch, da alles gleich aussah und niemand unterwegs war. Dieses Loch, dass ich von jeder Tour kenne, hielt bis Mitternacht an.

Bild9.jpg

 

 

Da traf ich noch 2 Mitfahrer , die auf einer Bank ruhten und wir fuhren zu Dritt bis Wittenberge, wo wir gegen 2.15 Uhr am 30.8.21 ankamen. Die Unterhaltung „frisst“ Zeit und so war der Treff ein großes Glück.

Beide wollten in Wittenberge „ruhen“, ich fuhr weiter und schlief dann ab 3 Uhr bis 4.15 Uhr in einer Bushaltestelle, angekleidet und mit Helm auf dem Kopf. Das war nötig und so genoss ich die Zeit bis zum Sonnenaufgang um kurz vor 6 Uhr ca. 60 km vor Berlin.

Bild10.jpg

 

Bild11.jpg

So sah mich die Familie unterwegs, ein blauer Punkt auf der Karte.

Gegen 9.15 Uhr hatte ich mich ins Ziel Berlin „gequält“. Locker im Zeitlimit bis 16 Uhr und niemand war da.

Hans Jürgen hatte nicht so früh mit mir gerechnet und die Veranstalter luden abends in einen Club in Ostberlin zur Medaillenübergabe ein.

Ich schlief 3 Stunden-………

 

Bild12.jpg

Und dann war ein Erholungstag mit vielen Leckereien wie Eis, Cappucino, Bier, Macarons, Frikadelle etc…. angesagt

Mensch was hatte ich ein Glück gehabt, das alles geklappt hat.

Wahnsinn, Überforderung, Sitzcreme, Erholsames Übernachten, Geschichte, Glück, dass sind so meine Stichworte der Tour……

Aufgeschrieben am 15.08.2021, Handballen noch taub, Rest okay.

 

Es ist fertig - unser Programmheft 2021

 in digitaler Version hier.

 Zum Archiv


bdr 150x60  NordCup  Logo RSV medium 300x209lsvksvADFC SL     Logo RMCD 2021